Überblick
Jede Option erhält zunächst eines von drei Urteilen: gestützt, widerlegt oder nicht belegt. Die klassische Falle besteht darin, „nicht belegt“ mit „wahrscheinlich wahr“ zu verwechseln.
Die drei Urteile
| Urteil | Kriterium | Maßnahme |
|---|---|---|
| Gestützt | Der gesamte Inhalt folgt aus dem Text | Behalten |
| Widerlegt | Mindestens ein Element ist mit dem Text unvereinbar | Streichen |
| Nicht belegt | Der Text liefert nicht genug Informationen | Bei einer Frage nach der „richtigen“ Aussage streichen |
Eine Option kann in der Wirklichkeit sachlich zutreffen und dennoch nicht belegt bleiben. Der Test verlangt von Ihnen kein Urteil über die Welt außerhalb des Textes.
Beispiel mit Lösung
Text: „Die Stadt wird während eines sechsmonatigen Pilotprojekts zwei Bibliotheken sonntags öffnen. Anschließend wird der Rat die Besucherzahlen auswerten.“
A. Die beiden Bibliotheken werden dauerhaft sonntags öffnen. — Nicht belegt. Das Projekt ist auf sechs Monate begrenzt.
B. Der Rat wird die Nutzung des Angebots nach der Pilotphase messen. — Gestützt. „Anschließend die Besucherzahlen auswerten“ ist eine direkte Umschreibung.
C. Die derzeit geringe Besucherzahl hat das Projekt ausgelöst. — Nicht belegt. Es wird keine Ursache genannt.
D. Das Projekt betrifft alle Bibliotheken der Stadt. — Widerlegt oder zumindest nicht belegt. Der Text beschränkt das Projekt auf zwei Einrichtungen.
Warum sich das Nicht-Belegte hartnäckig hält
Ihr Gehirn sucht nach einer stimmigen Geschichte. Es füllt Lücken. Diese Fähigkeit ist im Alltag nützlich, hier aber gefährlich. Um sie zu unterdrücken, ersetzen Sie die Frage „Ist das logisch?“ durch „Ist das zwingend?“
Übung 3 × 3
Schreiben Sie zu drei Textabschnitten je eine belegte, eine widerlegte und eine nicht belegte Option. Lassen Sie diese anschließend von jemandem einordnen. Wer Distraktoren selbst herstellt, lernt, sie zu erkennen.