Warum EPSO sich ändern musste
EPSO stand massiv unter Beschuss. Der Europäische Bürgerbeauftragte, der Europäische Datenschutzbeauftragte, Gewerkschaften und Kandidaten kritisierten die Behörde für langsame Verfahren (durchschnittlich 13 Monate), undurchsichtige Bewertung, IT-Pannen und ein Assessment-Center-Format, das Nicht-Muttersprachler der drei Verfahrenssprachen benachteiligte.
Als Reaktion darauf startete EPSO EPSOlution — eine Fünfjahres-Roadmap, um das Auswahlsystem von Grund auf neu aufzubauen.
Der Zeitplan
- Jahr 3 (Juli 2022 – Juli 2023): Neues Wettbewerbsmodell entworfen.
- Jahr 4 (August 2023 – August 2024): Einführung und Anpassung.
- Jahr 5 (September 2024 – Mai 2025): Ergebnisanalyse und Planung der nächsten Phase.
Die 7 konkreten Änderungen für Kandidaten
1. Verkürzter Zeitplan
Ziel: 6 Monate von der Veröffentlichung bis zur Reserveliste (statt 13). In der Praxis nicht immer erreicht, aber deutlich schneller als zuvor.
2. Ein einziger Testtag
Alle computergestützten Tests — verbales, numerisches, abstraktes Denken sowie der schriftliche Test — finden am selben Tag statt. Keine Verteilung der Tests über mehrere Monate mehr.
3. Assessment-Center abgeschafft
Die größte strukturelle Änderung. Mündliche Präsentationen, strukturierte Interviews und Gruppenübungen sind kein Teil des Wettbewerbs mehr. Sie wurden in die Einstellungsphase verlagert, die von den einstellenden Generaldirektionen verwaltet wird — nicht von EPSO.
4. Schriftlicher Test eingeführt (Februar 2024)
Drei Varianten je nach Wettbewerbsprofil: WT (schriftlicher Test — nur Kommunikation), FRWT (feldbezogener schriftlicher Test — Kommunikation + Fachwissen) und EUFTE (Freitextaufsatz zu EU-Themen). Die Themenmaterialien werden 2-3 Wochen vor der 90-minütigen Prüfung veröffentlicht.
5. Alle 24 Amtssprachen der EU (seit 2024)
Bisher war Sprache 2 für die meisten Wettbewerbe auf Englisch, Französisch oder Deutsch beschränkt. Jetzt können Kandidaten zwei beliebige der 24 Amtssprachen der EU als Sprache 1 und Sprache 2 wählen. Das ist ein enormer Gleichmacher.
6. Online-Proctoring als Standard
Prometric-Testzentren sind nicht mehr die Norm. Die meisten Kandidaten absolvieren die Tests von zu Hause aus unter Online-Proctoring-Aufsicht.
7. Talent-Screener vereinfacht
Die bewerteten offenen Fragen im Bewerbungsformular wurden für einige Wettbewerbe reduziert oder abgeschafft. Prüfen Sie die jeweilige Wettbewerbsbekanntmachung — dies variiert.
Verbleibende Kontroversen
Das Europäische Parlament brachte 2025 einen Entschließungsantrag (B10-0497/2025) zur EPSO-Governance ein. Zu den Hauptbedenken gehören die Zuverlässigkeit des Proctorings, die Qualität der Fragen unter Zeitdruck und die Fairness in Bezug auf verschiedene häusliche Umgebungen bei Fernprüfungen. Die Gewerkschaften (Union Syndicale, Generation 2004) stehen der Umsetzungsqualität weiterhin kritisch gegenüber.
Was das für die Vorbereitung bedeutet
Das alte Konzept ist obsolet. Die Vorbereitung auf das Assessment-Center — einst der Kern der EPSO-Schulung — ist auf der Wettbewerbsstufe nicht mehr relevant. Der schriftliche Test ist jetzt die Prüfung mit der größten Trennschärfe und zugleich die, auf die am wenigsten vorbereitet wird. Kandidaten, die das neue Format beherrschen, haben einen strukturellen Vorteil gegenüber denen, die noch für das alte Modell üben.
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