Der neue Test zur digitalen Kompetenz
2026 hat EPSO einen neuen Test eingeführt, der die klassische Prüfung von IT-Kenntnissen ersetzt: den Digital Skills Test auf Basis des EU-Rahmens DigComp. Dabei geht es nicht um Software-Kenntnisse (Microsoft Office, Programmieren usw.). Geprüft werden digitale Mündigkeit, Informationskompetenz, Sensibilität für Cybersicherheit und die Fähigkeit, Probleme mit digitalen Werkzeugen zu lösen. 40 Fragen in 30 Minuten, gewichtet mit 25 % Ihrer Endplatzierung.
Der Test bildet ab, wie EU-Beamtinnen und -Beamte in einem zunehmend digitalen Arbeitsumfeld agieren sollen: Daten sicher handhaben, die Verlässlichkeit von Online-Informationen einschätzen, sicher kommunizieren, barrierefreie Inhalte erstellen und digitale Risiken steuern. Wer den DigComp-Rahmen und die Art der vorgelegten Szenarien versteht, schneidet deutlich besser ab.
Der DigComp-Rahmen: fünf Bereiche digitaler Kompetenz
DigComp (Rahmen für digitale Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger) benennt fünf Kernbereiche. Jeder Bereich kommt im Digital-Skills-Test von EPSO vor:
| Bereich | Definition | Beispielfragen |
|---|---|---|
| Informations- und Datenkompetenz | Online-Informationen finden, bewerten und verwalten; Datenschutz und digitale Spuren verstehen | Unzuverlässige Quellen erkennen; Glaubwürdigkeit von Websites bewerten; Speicherfristen verstehen; Falschinformationen aufspüren |
| Kommunikation und Zusammenarbeit | Digitale Werkzeuge sicher und respektvoll nutzen; Netiquette, digitale Teilhabe und professionelles Online-Verhalten verstehen | Angemessener Umgang mit E-Mails; sicherer Dateiaustausch; Phishing vermeiden; inklusive digitale Kommunikation |
| Erstellung digitaler Inhalte | Digitale Inhalte erstellen, bearbeiten und veröffentlichen; Urheberrecht und Barrierefreiheitsstandards verstehen | Barrierefreie Dokumentformate; Einhaltung des Urheberrechts; Metadaten; inklusives Design; einfache Sprache |
| Sicherheit | Daten, Geräte und persönliche Informationen schützen; Cyberbedrohungen und Datenschutzvorschriften verstehen | Passwortrichtlinien; Schadsoftware erkennen; DSGVO-Konformität; Phishing erkennen; Backup-Strategien |
| Problemlösung und digitale Kompetenz | Probleme mit digitalen Werkzeugen lösen; KI, Automatisierung und algorithmische Entscheidungsfindung verstehen | Arbeitsabläufe automatisieren; digitale Werkzeuge produktiv einsetzen; Verzerrungen in KI verstehen; ethische KI-Anwendungen |
Auf jeden DigComp-Bereich entfallen im EPSO-Test rund 8 Fragen. Rechnen Sie mit 2–3 Szenarien je Bereich, zu jedem Szenario 3–4 Fragen.
Fragenformate und Szenariotypen
Szenariobasierte Fragen
Statt abstrakter Fragen wie „Was ist die DSGVO?" legt EPSO reale Arbeitssituationen vor:
- Informationsbewertung: „Sie erhalten eine E-Mail mit der Behauptung, der EU-Haushalt werde um 50 % gekürzt. Sie prüfen Absender und dessen Website – beides wirkt seriös. Was sollten Sie tun, bevor Sie diese Nachricht weitergeben?"
- Zusammenarbeit: „Eine Kollegin bittet Sie, ein offizielles Dokument mit ihren Zugangsdaten digital zu signieren. Worin besteht das Sicherheitsrisiko?"
- Inhaltserstellung: „Ihre GD veröffentlicht einen Leitfaden zu EU-Fördermitteln. Ihr Entwurf verwendet ausschließlich Bilder ohne Alternativtext. Welches Problem der Barrierefreiheit liegt vor?"
- Sicherheit: „Auf Ihrem Dienstrechner erscheint ein Pop-up mit dem Text ‚System-Update erforderlich – hier klicken.' Die URL weicht leicht von der offiziellen Microsoft-Domain ab. Was sollten Sie tun?"
- Problemlösung: „Ihr Team erhält täglich 500 E-Mails, die eine Dokumentenfreigabe erfordern. Welcher digitale Ansatz automatisiert diesen Arbeitsablauf am besten und wahrt zugleich die Sicherheit?"
Lesen Sie jedes Szenario sorgfältig. Die „richtige" Antwort hängt oft davon ab, das konkrete Risiko zu erkennen – nicht davon, die sicher klingende Option zu wählen.
Multiple-Choice- und Priorisierungsfragen
Zu den Fragenformaten zählen:
- Einfachauswahl: „Welche Aussage zur DSGVO ist richtig?"
- Mehrfachauswahl: „Welche der folgenden Praktiken sind gute Cybersicherheitspraxis? (Alle zutreffenden auswählen)"
- Priorisierung: „Ordnen Sie diese Sicherheitsmaßnahmen für einen Dienstlaptop nach abnehmender Wichtigkeit"
- Risikoerkennung: „Benennen Sie die Sicherheitsrisiken in diesem E-Mail-Austausch" (mit abgebildetem Dialog)
- Zuordnung von Lösungen: „Ordnen Sie jedem digitalen Problem das beste Werkzeug bzw. Vorgehen zu"
Achten Sie genau auf die Formulierung: „Welche Aussage ist richtig?" gegenüber „Welche Aussagen sind richtig?" entscheidet darüber, ob Sie eine oder mehrere Antworten wählen.
Zentrale DigComp-Kompetenzen, die Sie beherrschen sollten
DSGVO und Datenschutz
Rechnen Sie mit 3–5 Fragen zu den EU-Datenschutzvorschriften:
- Was personenbezogene Daten sind (offensichtlich: Namen, Ausweisnummern; weniger offensichtlich: IP-Adressen, Cookies, Standortdaten)
- Wann eine Einwilligung erforderlich ist und wann eine Verarbeitung auch ohne Einwilligung rechtmäßig ist
- Rechte betroffener Personen: Auskunftsrecht, Recht auf Vergessenwerden, Datenübertragbarkeit
- Was bei einer Datenschutzverletzung zu tun ist
- Verarbeitung von Daten zu anderen Zwecken (Erhebung für einen Zweck, Weiterverwendung für einen anderen)
Kernprinzip: Für EU-Bedienstete gelten hohe DSGVO-Standards. „Wir nutzen Daten, speichern aber keine Namen" ist kein ausreichender Schutz. Anonymisierung muss echt sein (Namen entfernt, ebenso alle Merkmale, über die sich Personen wieder identifizieren ließen).
Cybersicherheit und Erkennen von Bedrohungen
Rechnen Sie mit 3–5 Fragen zu Bedrohungen und Schutzmaßnahmen:
- Phishing-Mails: Social Engineering erkennen, verdächtige Links, Dringlichkeitsdruck, Aufforderung zur Preisgabe von Zugangsdaten
- Passwortsicherheit: Länge, Komplexität, Mehrfachverwendung, Aufbewahrung (Passwörter nie weitergeben, nie auf Haftnotizen schreiben)
- Schadsoftware und Ransomware: USB-Geräte, E-Mail-Anhänge, verdächtige Websites
- Risiken öffentlicher WLANs: ungesicherte Netze, VPN-Nutzung, sensible Vorgänge vermeiden
- Gerätesicherheit: Software aktuell halten, unnötige Funktionen deaktivieren, Virenschutz einsetzen
Kernprinzip: Wenn etwas seltsam wirkt – ungewöhnlicher Absender, gedrängte Frist, Passwortabfrage, unerwarteter Anhang –, ist es vermutlich bösartig. Melden Sie es, öffnen Sie es nicht.
Verlässlichkeit von Informationen und Erkennen von Falschinformationen
Rechnen Sie mit 2–4 Fragen zur Bewertung von Online-Informationen:
- Merkmale der Glaubwürdigkeit: Qualifikation der Autorin bzw. des Autors, Publikationsquelle, Datum, Quellenangaben, Fachkonsens
- Taktiken der Desinformation: emotionale Schlagzeilen, fehlende Quellen, Loslösung vom größeren Zusammenhang, Verschwörungsrahmung
- Deepfakes und synthetische Medien: KI-erzeugte oder manipulierte Inhalte erkennen
- Verzerrungen in Algorithmen: verstehen, wie Suchmaschinen und soziale Medien Informationen filtern
- Faktenprüfung: Informationen vor dem Teilen überprüfen
Kernprinzip: Offizielle EU-Quellen (Europäische Kommission, Website des Parlaments, Ratsdokumente) sind glaubwürdig. Blogbeiträge, unbelegte Behauptungen in sozialen Medien und anonyme Quellen müssen überprüft werden.
Barrierefreiheit und inklusives digitales Design
Rechnen Sie mit 1–3 Fragen zur Erstellung barrierefreier Inhalte:
- Alternativtexte für Bilder: warum sie wichtig sind (Screenreader, SEO, nicht ladende Bilder)
- Barrierefreie Dokumente: saubere Überschriftenhierarchie, Farbkontrast, gut lesbare Schriften, einfache Sprache
- Multimedia: Untertitel für Videos, Transkripte für Audio, beschreibende Transkripte
- Einfache Sprache: Fachjargon vermeiden, kurze Sätze, Aktiv statt Passiv
- Inklusives Design: keine Annahmen über die Fähigkeiten der Nutzenden, Tests mit unterschiedlichen Zielgruppen
Kernprinzip: EU-Institutionen sind gesetzlich verpflichtet (Richtlinie 2016/2102), digitale Inhalte barrierefrei zu gestalten. Das ist nicht optional, sondern rechtlich vorgeschrieben.
KI-Kompetenz und algorithmische Entscheidungsfindung
Rechnen Sie mit 2–4 Fragen zu künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag:
- Funktionsweise von KI-Systemen: Trainingsdaten, Mustererkennung, Grenzen
- Verzerrungen in KI: verzerrte Trainingsdaten führen zu verzerrten Vorhersagen (Bewerbungsalgorithmen, Bonitätsbewertung)
- Transparenz und Nachvollziehbarkeit: „Black-Box"-Systeme, die ihre Entscheidungen nicht erklären können
- KI zur Produktivitätssteigerung: wann KI-Werkzeuge angemessen sind und wann menschliches Urteil nötig ist
- Ethische KI: Schaden vermeiden, Fairness sichern, menschliche Aufsicht wahren
Kernprinzip: KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für menschliches Urteilsvermögen. Folgenschwere Entscheidungen (Einstellungen, Leistungsbewilligungen) erfordern eine menschliche Prüfung der KI-Empfehlungen.
Zeitmanagement: 40 Fragen in 30 Minuten
Im Schnitt haben Sie rund 45 Sekunden pro Frage. Szenarien brauchen mehr Lesezeit, reine Wissensfragen weniger. Teilen Sie die Zeit gezielt ein:
- Szenario einmal gründlich lesen (60–90 Sekunden bei mehrteiligen Szenarien)
- Zugehörige Fragen beantworten (je 30–45 Sekunden)
- Unsichere Antworten markieren und bei verbleibender Zeit zurückkehren
- Nie mehr als 2 Minuten für eine einzelne Frage aufwenden
Wenn ein Szenario Sie verwirrt, überspringen Sie es und kommen Sie später zurück. 35 sicher beantwortete Fragen sind besser als 40 mühsam bearbeitete mit geringer Trefferquote.
Häufige Fehler
Sicherheitsbedenken überinterpretieren
Manche Kandidatinnen und Kandidaten halten jede Handlung für ein Sicherheitsrisiko. „Den Dienstlaptop zu Hause im WLAN nutzen" ist nicht per se unsicher – viele EU-Bedienstete arbeiten mobil. Das Risiko liegt im Zugriff auf sensible Daten über ungesicherte Netze. Unterscheiden Sie zwischen berechtigten Bedenken und Paranoia.
„Legal" mit „ethisch" verwechseln
Eine Datenverarbeitung kann rechtmäßig sein (mit Einwilligung oder anderer Rechtsgrundlage) und dennoch ethisch fragwürdig. EPSO prüft beides: Rechtskonformität und berufliches Urteilsvermögen. „Dürfen wir das?" ist etwas anderes als „Sollten wir das?"
Annehmen, Werkzeuge lösten Probleme
Eine Frage könnte lauten: „Wie sollte Ihr Team Cybersicherheit organisieren?" Falsch ist die Antwort „Eine teure Antiviren-Suite kaufen". Richtig ist: „Mitarbeitende zu Phishing schulen, starke Passwörter durchsetzen, Systeme aktuell halten und Bedrohungen überwachen." Technik allein reicht ohne menschliches Problembewusstsein nicht aus.
Den regulatorischen Rahmen ausblenden
EU-Vorschriften (DSGVO, eIDAS-Verordnung, Richtlinie über den barrierefreien Zugang) sind nicht verhandelbar. Fragen zum Regelwissen setzen die Kenntnis konkreter Anforderungen voraus, nicht nur allgemeiner Grundsätze.
Vorbereitungsplan
Woche 1: Den DigComp-Rahmen kennenlernen
Lesen Sie die EU-DigComp-Dokumentation (kostenlos auf der DIGCOMP-Website verfügbar). Verstehen Sie die fünf Bereiche, die drei Kompetenzstufen (Grundlagen, Fortgeschritten, Höhere Kompetenz) und Beispielkompetenzen in jedem Bereich. Das ist Ihr Wissensfundament.
Woche 2: Rechtliches und technisches Wissen
Arbeiten Sie die DSGVO-Grundlagen durch: Was sind personenbezogene Daten, wann ist eine Einwilligung nötig, welche Rechte haben Betroffene, wie funktioniert die Meldung von Datenschutzverletzungen. Lernen Sie die Grundlagen der Cybersicherheit: Passwortrichtlinien, Phishing-Taktiken, Gerätesicherheit, Arten von Schadsoftware. Nutzen Sie offizielle EU-Quellen (DSGVO-Text, ESMA-Leitlinien zur Cybersicherheit).
Woche 3–4: Szenarien üben
Absolvieren Sie Übungstests zu digitalen Kompetenzen mit Fokus auf das Verständnis der Szenarien. Klären Sie bei jeder falschen Antwort: Habe ich das Szenario falsch gelesen? Fehlte mir das Wissen? Habe ich die Frage missverstanden? Passen Sie Ihre Vorbereitung entsprechend an.
Letzte Woche: Vollständige Tests unter Zeitdruck
Absolvieren Sie 2–3 komplette Tests mit 40 Fragen in 30 Minuten. Zielen Sie auf mindestens 75 % Trefferquote (30 von 40 oder besser). Werten Sie falsche Antworten gründlich aus. Ihr Ziel ist verinnerlichtes Wissen, nicht Raten.
Warum digitale Kompetenzen zählen
Digitale Kompetenzen machen 25 % Ihrer Endplatzierung aus – genauso viel wie EU-Wissen. Trotzdem bereiten sich viele Kandidatinnen und Kandidaten zu wenig darauf vor und halten das Ganze für „bloßes IT-Wissen". Ein Irrtum: Geprüft werden Urteilsvermögen, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, Risiken zu erkennen – alles unverzichtbar für EU-Personal. Eine gründliche Vorbereitung auf diesen Test bringt im Verhältnis zum Aufwand einen hohen Ertrag.
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